Die Theater-Gruppe der Peter-Petersen-Schule spielte

"Iphigenie Königskind" nach Pauline Mol

Einzelheiten zur Preisverleihung finden Sie hier: 
http://www.neukoelln-plus.de/content/home/aktuelles.php
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"Iphigenie Königskinds" ist ein Kindertheaterstück der niederländischen Autorin Pauline Mol aus dem Jahr 1990 und beschreibt aus der Sicht des Kindes Iphigenie den antiken Mythos, der dem Stück "Iphigenie in Aulis" von Euripides zu Grunde liegt. 
Der trojanische Königssohn Paris entführt mit Hilfe Aphrodites die schöne Helena, die Frau des Menelaos, aus Griechenland. Um Helena zurückzuholen, stellen die Griechen unter Führung des Agamemnon ein Heer auf, das bei Windstille am Strand von Aulis ungeduldig auf ihr Auslaufen nach Troja wartet.
Iphigenie, die Tochter Agamemnons und Klytämestras, soll, so hat es der Seher Kalchas verkündet, der Göttin Artemis geopfert werden: für guten Wind  und als Pfand für die Fahrt und die Eroberung Trojas. Agamemnon schickt nach Iphigenie, sie soll ins Heerlager kommen, um sich angeblich mit Achilles zu vermählen.
Doch weder sie noch ihre Mutter sind in wirklichen Pläne Agamemnons eingeweiht, ebenso wenig Achilles. Von einem Sklaven erfahren sie, dass Agamemnon die Vermählung als Vorwand benutzt hat und Iphigenie opfern will.
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Während Agamemnon zu zweifeln beginnt, ob seine Entscheidung die richtige sei und auch sein Bruder Menelaos lieber auf den Kriegzug nach Troja und damit auf seine Frau verzichten will, fordert das Heer unnachgiebig Iphigenies Tod.
Iphigenie nimmt schließlich ihren Opfertod freiwillig auf sich: für ihr Vaterland Hellas, als dessen Befreierin von den barbarischen Trojanern. Die Göttin Artemis jedoch verschont Iphigenie und entführt sie an einen geheimen Ort. Statt ihrer opfern die Griechen eine Hirschkuh.
Das Besondere an Pauline Mols Stück ist die Figur des Kindes, die sie Iphigenie zur Seite stellt. In der Auseinandersetzung mit der Figur des Kindes bearbeitet Iphigenie ihre Wünsche, Träume, Ängste und Selbstentwürfe. 
Das Kind stellt nicht nur Iphigenie in Frage, sondern insbesondere deren Eltern und die übrigen Erwachsenen, deren Fühlen und Handeln mit ihren menschenverachtenden Entscheidungen, sie fragt nach, wo sich Iphigenie nicht zu fragen traut, das Kind enttarnt den schönen Schein der Familie, den Iphigenie unbedingt aufrecht erhalten will.
Auf der Suche nach einem geeigneten Stück wurde ich wieder einmal bei Euripides in einer Bearbeitung als Kindertheaterstück von Pauline Mol fündig. Bereits im Jahr 1998 hatte ich eine Bearbeitung von Euripides „Medea“, das Kindertheaterstück von Per Lysander und Suzanne Osten "Medeas Kinder"  inszeniert. 
Pauline Mol verzichtet in "Iphigenie Königskind" bis auf wenige Ausnahmen, die deutlich als "Zitate" gekennzeichnet sind und so auch vorgetragen werden sollen, auf die klassischen Reimformen der Vorlage. Stattdessen ist ihr Text kurz und präzise gefasst, frei von jeglicher Reimstruktur und klingt wie frei formuliert, wie "aus dem Leben gegriffen", ein Umstand übrigens, der den SchülerInnen den Zugang zum Text erheblich erleichtert hat, erinnert er sie doch in Vielem an ihre alltäglichen Sprecherfahrungen.

 Interessant und herausfordernd fanden sie auch die Stellen, in denen sich Agamemnon und Klytämestra streiten, tun sie dies doch in englischer Sprache, vermeintlich, um ihre Auseinandersetzungen vor ihrer Tochter als "Spiel" zu tarnen und dessen Inhalt vor ihr geheim zu halten.
Mols Textvorlage habe ich um etwas mehr als die Hälfte gekürzt, dabei allerdings nicht in die Szenenfolge und den dramatischen Aufbau eingegriffen. 
Die Theater-AG bei den Proben am Pfingstwochenende in Bollmannsruh
Text: Norbert Meisenberg
Fotos und Layout: Hildegard Greif-Gross



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