Antigone


Antigone war nach „Medeas Kinder“  und „Iphigenie Königskind“  meine dritte Inszenierung eines 
klassischen Dramenstoffs mit Grundschülern.  Die ursprüngliche Idee, „Prinz Hamlet“ zu inszenieren, 
verwarfen wir   zu Gunsten Sophokles’ „Antigone“, weil in unserer Theatergruppe, wie in jedem
Jahr, die Mädchen in der Überzahl waren. 
Sie setzte sich aus neun Mädchen und vier Jungen des  5. und 6. Jahrgangs zusammen. 
Drei von ihnen brachten schon Erfahrung aus der letztjährigen Produktion 
„Wenn du arm bist, wirst du König“ mit. 
 Ich bin der Auffassung, dass der Spielfluss der Schüler von ihren Sinnen und ihrer Vorstellungsgabe
abhängig ist. Je mehr in einem Spiel „auf dem Spiel steht“, umso schärfen werden die Sinne. 
 Wenn die Schüler sehen, was für ihre jeweilige Figur auf dem Spiel steht, werden ihre Figur und
ihr Spiel lebendig werden. Und in Antigone steht erwiesenermaßen viel auf dem Spiel. 
 Die Proben fanden zunächst gemeinsam einmal wöchentlich in der 1 ½ stündigen Theater-AG statt
. Ab März 2009 probten wir wöchentlich 4 Unterrichtsstunden, ab Ende Mai sogar 
6 Unterrichtsstunden ausschließlich mit den in den jeweiligen Szene beteiligten Schülern. 
Dadurch  konnten wir bis zum Probenwochenende Mitte Juni jede Szene dreimal bearbeiten. 
 Voraussetzung für eine intensive Probenarbeit war die Kenntnis der Texte. Ausreichend 
Gelegenheit zum Lernen der Texte boten die Osterferien. In der Aufführungswoche konnten 
wir erstmals in der Turnhalle, unserem Spielort, während der Hauptproben täglich etwa 
4 Stunden proben.
 Geschehnisse, die bei Sophokles von Boten in der klassischen „Mauerschau“ berichtet werden, 
z.B. der Kampf zwischen Kreon und seinem Sohn Haimon oder der Selbstmord Antigones, 
wurden ebenfalls zu Spielszenen. 
 Die Wächter und auch die 4 Chormitglieder wurden deutlicher als individuelle Figuren gezeichnet, 
ein Splitting der Rollen von   Kreon und Antigone machten individuelle Nuancen spürbar. 
Zusätzlich wurden  kleinere Rollen wie die der Wächter und die des Chores durch die 
Übernahme von Nebenfiguren (Teiresias, Euridike) aufgewertet.
 Diese Maßnahmen sind natürlich immer auch der Versuch, die Spielweisen, die Spielfähigkeiten 
und die Interessen von Grundschülern angemessen zu berücksichtigen, z.B. Rollensplitting, um 
die Last der Hauptrolle zu mildern oder um keinen Neid auf Hauptrollen aufkommen zu lassen 
oder handlungsstarke Spielszenen, um die Sprachlastigkeit zu reduzieren und dem Wunsch 
nach „action“ der Spieler nachzukommen. 
 Schauen die Schüler nach innen statt nach außen sind sie gefangen von dem Bemühen um Kontrolle.
Das verhindert, dass sie Dinge sehen und ihnen Aufmerksamkeit schenken. Und so verlieren sie ihr 
Ziel aus den Augen. Der Gestus des Zeigens enthält immer eine Distanz zur Figur und damit ein 
Moment der Kontrolle, des eigenen Selbst, aber auch der Sichtweise der Betrachtenden. 
Textauszüge von Norbert Meisenberg (Spielleiter)                  Fotos: Hildegard Greif


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